Infos zur Vogelgrippe

Das Huhn in Zeiten der Vogelgrippe
Die Vogelgrippe ist keine Erscheinung der Neuzeit. Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist die durch Influenzaviren hervorgerufene Geflügelpest eine in der Geflügelwirtschaft bekannte Tierseuche. Bis Mitte der 90er Jahre waren Geflügelpestausbrüche allerdings selten und breiteten sich nicht sehr weit aus. Erst 1997 gaben gefährliche Subtypen des Virus – darunter auch H5N1 – Anlass zur Sorge.

Kurze Geschichte der Vogelgrippe
Die aggressive Vogelgrippe-Variante H5N1 tauchte 1997 zum ersten Mal in Hongkong unter Hühnern auf. Im Gegensatz zu seinen Vorgänger-Viren verbreitetet sich H5N1 rasant und infizierte große Bestände an Nutzgeflügel. Sofort veranlasste man damals die Keulung (das vorsorgliche Töten von Tieren, um die Weiterverbreitung von Tierseuchen zu verhindern) der betroffenen Tiere und konnte somit einer weiteren Verbreitung des Virus entgegen wirken. Bei diesem Ausbruch starben zum ersten Mal auch einige Menschen, die engen Kontakt zum infizierten Geflügel gehabt hatten. Das sicherte H5N1 fortan die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit.

Ende 2003 und Anfang 2004 brach der Erreger in mehreren Regionen Südostasiens erneut aus. Diesmal wurde nicht so schnell und massiv mit Keulung reagiert – das Virus konnte sich jetzt ungehemmter ausbreiten. Seitdem hat sich die Variante H5N1 in Schüben immer weiter über den Globus vorgearbeitet. Seit Oktober 2005 ist H5N1 auch in Europa angekommen. Dem Virus Grenzen zu setzen ist gar nicht so einfach – ja nahezu unmöglich. H5N1 kann zum Beispiel Zugvögel oder internationale Nutzgeflügeltransporte zur Verbreitung über weite Strecken nutzen.

Welche Symptome zeigt ein vogelgrippekrankes Huhn
Ein Huhn kann sich mit dem H5N1-Virus infizieren, wenn es mit Ausscheidungen aus den Atemwegen oder dem Kot eines anderen Tieres in Berührung kommt. Im Huhn vermehrt sich das Virus dann in den Atem- und Verdauungsorganen. Zusätzlich können auch noch andere Organe vom Virus befallen werden. Ein erkranktes Huhn wirkt apathisch und frisst nicht mehr. Es bekommt hohes Fieber und leidet unter Durchfall. Ödeme können Kopf, Hals Kamm und Beine anschwellen lassen. Die Federn wirken struppig. Die Legeleistung von Hennen geht abrupt zurück. Die Eier sind zunächst deformiert oder besitzen überhaupt keine Schale mehr. Oft verendet ein Großteil der Tiere bereits 24 bis 48 Stunden nach Kontakt mit dem Virus.

Was passiert bei uns, falls ein Huhn erkrankt
Wer Hühner hält, muss seinen Bestand regelmäßig auf Anzeichen von Krankheiten untersuchen. Zeigen einige Hühner Symptome, die den Verdacht auf eine Infektion mit der Vogelgrippe aufkommen lassen, muss der Besitzer seine Tiere sofort vom Tierarzt auf eine H5N1-Virusinfektion testen lassen. Bestätigt sich der Verdacht, muss der ganze Bestand getötet werden. Oft sind das mehrere Hundert bis mehrere Tausend Hühner auf einmal. Keulungen in dieser Größenordnung müssen von Spezialisten durchgeführt werden.

Was tut man bei uns in Deutschland ?
Um dem Virus so wenig Möglichkeit wie möglich zu geben von Wildtieren auf Nutzgeflügel überzuspringen, hat man in Deutschland im Oktober 2005 und im Februar 2006 eine Stallpflicht für Federvieh verordnet. Und das bestimmt nicht zum letzten Mal. Neben den Hühnern werden in der “Verordnung zur Aufstallung des Geflügels zum Schutz vor der Klassischen Geflügelpest” auch noch Truthühner, Perlhühner, Rebhühner, Fasane, Laufvögel, Wachteln, Enten und Gänse genannt. Natürlich müssen sich auch Zoos nach dieser Verordnung richten.

Hühner impfen: ja oder nein?!
Warum nicht einfach alle Hühner mit einer Vogelgrippe-Schutzimpfung immunisieren? Viele von uns kennen das ja selbst: Einmal pro Jahr ein kleiner Pieks und wir sind vor einer schweren Grippe gefeit… Das Problem bei den Hühnern ist nur: Es gibt noch keinen wirklich geeigneten Impfstoff. Die Entscheidung “für” und “wider” Impfen ist deshalb eine zweischneidige Angelegenheit. Mit dem derzeitig erhältlichen Impfstoff kann zwar ein Bestand vor einer schweren Erkrankung geschützt werden – allerdings trägt ein immunisiertes und gleichzeitig infiziertes Tier den H5N1-Virus in sich und kann andere Tiere anstecken. Man merkt dem Huhn nicht an, dass es krank ist. Deshalb wird ein Befall des Geflügelbestandes nicht rechtzeitig erkannt. Als “Alarmgeber” setzt man ungeimpfte Hühner zwischen den geimpften Bestand. Diese so genannten “Sentineltiere” (Anzeigetiere) zeigen bei einem Virusbefall sehr schnell Symptome, so dass entsprechend reagiert werden kann. Bei einer Impfung besteht auch immer die Gefahr, dass ein Virus in Richtung Impfresistenz “mutiert” und eine agressivere Variante hervorbringt. Deshalb war nach EU-Richtlinien die Impfung von Geflügel gegen die Vogelgrippe eigentlich verboten. Inzwischen wurde das Verbot allerdings gelockert. Geimpfte Bestände müssen allerdings vollständig von der Außenwelt abgeschottet werden. In Frankreich und den Niederlanden wird seit Februar 2006 schon geimpft, da die Bestände durch eine potentielle Keulung zu stark leiden würden. Aus Sorge gegen eine Ausbreitung der Infektionen unter der “Impfdecke” will man in Deutschland aber derzeit noch keine flächendeckend präventiven Schutzimpfungen durchführen. In Zoos wird dagegen geimpft, um nedrohte Arten möglicherweise nicht ganz zu verlieren. Die Forschung nach einem geeigneten Impfstoff soll beschleunigt werden.

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